Kein Pfadfinder-Ehrenwort für Schwule
Washington. Stolz zeigt er im Fernsehen seine vielen Auszeichnungen vor. James Dale (Foto) war ein Vorzeige-Pfadfinder und mit 18 Jahren "Scoutmaster" - bis bekannt wurde, dass er schwul ist. Er wurde aus der größten amerikanischen Jugendorganisation ausgeschlossen. James Dale zog damals vor Gericht, und acht Jahre später gab das Oberste Gericht der USA der Organisation in einer knappen fünf zu vier Entscheidung Recht: Die Pfadfinder dürfen Schwule aus ihren Reihen verbannen, urteilten die Richter und erbosten damit nicht nur Homosexuellen-Organisationen in den USA.
Die
"Boy-Scouts" hätten ein Grundrecht auf die freie Entscheidung über
ihre Mitglieder, sagen die Richter. Eine Organisation dürfe nicht
dazu gezwungen werden, Mitglieder aufzunehmen, die ihre Werte negativ beeinträchtigen.
Und Homosexualität sei für die Pfadfinder unvereinbar mit ihren
Werten. Man könne ihnen deshalb nicht zumuten, einen Schwulen zum
Gruppenleiter zu machen, sagt Chefrichter William Rehnquist. Unklar war
auch nach dem Urteil des Obersten Gerichts, ob Schwule generell nicht Pfadfinder
sein oder ob sie nur nicht befördert werden dürfen.
US-Präsident Bill Clinton sagte, das Urteil sei sehr eng gefasst. Offenbar beziehe es sich nur auf die Frage, ob die Pfadfinder entscheiden könnten, wer Gruppenleiter werde. James Dales Anwalt, Evan Wolfson, ist anderer Meinung: Das Urteil werde Auswirkungen auf alle Pfadfinder haben, die Botschaft sei klar. "Das Oberste Gericht hat den Boy Scouts in Amerika gesagt, dass Diskriminierung richtig ist."
Die
Pfadfinder-Oberen begrüßten den Richterspruch. "Wir glauben
nicht, dass ein bekennender Homosexueller ein gutes Vorbild ist", hieß
es in einer knappen Erklärung der Organisation. Die Pfadfinder hätten
als private Gruppe das Recht, ihre Mitglieder selbst auszusuchen. James
Dale war in seinem Kampf gegen die mit 5,7 Millionen Mitgliedern größte
US-Jugendorganisation von mehreren Bürgerrechtler-Vereinigungen unterstützt
worden. Im vergangenen Jahr hatte das Oberste Gericht in New Jersey entschieden,
Dale sei zu Unrecht gefeuert worden. Die Richter verglichen die Pfadfinder
mit anderen Institutionen wie Schulen, Bibliotheken und Theatern und die
dürften keine Gruppen ausschließen.
Über Generationen hinweg hat die 1910 gegründete Vereinigung ihr Image als Festung der Prinzipientreue, der Charakterbildung und "Sauberkeit" aufrecht erhalten können. Beim Eintritt wird ein Eid auf Gott geleistet. Der Scout-Anwärter gelobt, ein "moralisch aufrechtes" und "reines" Leben zu führen. Die sexuellen Praktiken von Schwulen stünden in krassem Widerspruch dazu, sagte ein Boy-Scout-Chef.
"Die
Boy-Scouts haben sich damit das Recht verdient, sich eine diskriminierende
Organisation nennen zu dürfen. Das wird einen sehr negativen Effekt
auf die Pfadfinder haben", sagt Beatrice Dohrn von der Schwulen-Gruppe
Lambda.
| Ende
des Artikels, der Ende Juni 2000 in mehreren Tageszeitungen veröffentlicht
war. Wir baten die Diözesanleitungen in der DPSG um einen Abdruck
und stellten folgende Frage: Auch wenn wir hier nicht in USA sind,
uns von der DPSG AG SchLeHe - Schwule, Lesben und Heteros in der Deutschen
Pfadfinderschaft St. Georg interessiert Deine/Eure Meinung dazu. Können
Lesben/Schwule Mitglieder bzw. GruppenleiterInnen sein, egal in welcher
Stufe? Bitte
schreibt/mailt uns!
Einige Antworten erreichten uns, Ihr könnt sie hier lesen. Außerdem stellte der Mainzer Diözesanvorstand einen Antrag an die Bundesversammlung 2001, als DPSG auf die Vorkommnisse zu reagieren, den Ihr dort lesen könnt |