Insgesamt
konnten wir feststellen, dass sich das Klima auf Bundesebene uns gegenüber
zum positiven verändert hat. sowohl vom Bundesvorstand, von der Bundesleitung
als auch von vielen Diözesanverbänden wurden wir positiv aufgenommen.
Besonders gilt das natürlich für die Hildesheimer Organisatoren
der Versammlung als Gastgeber und den Mainzer Vorstand, der den Anrtag
gestellt hat.
In
den Pausen der Versammlung gab es gute Gespräche mit den Delegierten,
interessierte Fragen und konkrete Projektabsprachen. Unser Auftritt war
also ein voller Erfolg, was auch an unserer guten Vorbereitung und Durchführung
dieser Aktion lag. Die Flyer, Aufnäher und T-Shirts haben gezeigt,
dass wir was drauf haben und uns gut präsentieren können.
Der
Antrag an die BV, der vom Diözesanvorstand Mainz gestellt wurde, ist
bei vielen anderen DVs auf Zustimmung gestoßen. Einigen ging er sogar
nicht weit genug. Die Bundesleitung kontaktierte den DV Mainz und uns am
Freitag, um nochmals die Sachlage in den USA klarzustellen. Es zeigte sich
dann, dass offenbar nicht generell homosexuelle Mitglieder, sondern "nur"
homosexuelle Leiter ausgeschlossen werden. Dies sei ein anderer Sachverhalt
als im Antrag dargestellt. Daraufhin gabe es dann allein zu diesem Antrag
eine außerordentliche Sitzung der Bundesleitung. Die Bedenken waren
vor allem, dass man sich nicht in das "Innenleben" eines anderen Verbandes
einmischen darf. Dies bezog sich auf die Aufforderung im Antrag, die ausgeschlossenen
Mitglieder wieder aufzunehmen.
Das
Ergebnis der Sitzung der BL war jedoch ein Initiativantrag, der uns noch
viel besser gefallen hat. Verbunden mit einer anderen Auffassung, als sie
der Heilige Stuhl in Rom vertritt, und der Erklärung, dass man als
DPSG in den vergangenen Jahren eine Positionierung zur Homosexualität
in Gesellschaft und Verband versäumt hat, soll die DPSG diese Fragen
mit Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit angehen, "mit dem Ziel einer lebenshelfenden
Positionierung". Dies war für alle Beteiligten eine unerwartete Wendung
im Verhalten der Bundesleitung.
Leider
wurden beide Anträge (der ordentliche aus Mainz und der Initiativantrag
der BL) aus Zeitmangel in den Hauptausschuss (den "Stellvertreter" der
Bundesversammlung) vertagt, so dass nur wenige Delegierte darüber
diskutieren und entscheiden werden. Auch eine Reihe von Delegierten auf
der Bundesversammlung bedauerte dies, weil sie einen großen Diskussionsbedarf
zu den beiden Anträgen sahen.
Am
Ende der Versammlung konnten wir an (fast) alle Diözesanverbände
je zehn unserer neuen Flyer verteilen, um die Diözesanbüros damit
auszustatten.
Als
weiterer Eindruck: Auch zwei Männer aus der SchLeHe, die offensichtlich
zusammen tanzten, waren bei der Abschlussparty für alle TeilnehmerInnen
kein Problem.
Die Bundesversammlung war also ein voller Erfolg, auch wenn die Anträge nicht diskutiert oder abgestimmt wurden. Aber die Politik, die bekanntlich in den Pausen gemacht wird, ist eindeutig: eine Annäherung an die SchLeHe und möglicherweise die Entwicklung eines neuen sexualpädagogischen Ansatzes in der DPSG.
Hier der Antrag des Diözesanvorstandes aus Mainz
Die Bundesversammlung möge beschließen:
Die Bundesversammlung der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg missbilligt das Vorgehen der Boy Scouts of America, homosexuelle Mitglieder aufgrund ihrer Homosexualität aus ihrer Organisation auszuschließen und auf diesem Weg eine Minderheit bewusst und vorsätzlich zu diskriminieren. Die DPSG sieht keinen Grund dafür, dass allein schon Homosexualität für das Pfadfindertum disqualifiziert. In den verschiedensten Gremien und Ebenen der DPSG wirken homosexuelle Frauen und Männer mit, ohne dass das Pfadfindertum, unser Verband oder seine Mitglieder dadurch zu Schaden kommen. Sie und ihre Arbeit finden unsere Anerkennung. Die Boy Scouts of America werden vor diesem Hintergrund aufgefordert, ihre Einstellung zu überdenken und auch Homosexuelle in ihren Verband aufzunehmen.
Begründung:
Im
Juni 2000 hat das Oberste Gericht der USA den Boy Scouts of America das
Recht zugesprochen, selbst darüber entscheiden zu dürfen, wer
bei ihnen Mitglied werden darf und wer nicht. Damit legitimierte das Gericht
nach zehn Jahren Rechtsstreit den Ausschluss eines damals 19-jährigen
aufgrund seiner Homosexualität.
Nachdem
die DPSG gerade im Jahr 2000 mit ihrer Jahresaktion zum aktiven Stoppen
von Diskriminierung aufforderte, darf sie nicht die Augen verschließen
vor einer diskriminierenden Vorgehensweise eines anderen Pfadfinderverbandes.
In ihrer Ordnung hat sich die DPSG das Recht und die Verpflichtung zugesprochen,
zu politischen und gesellschaftspolitischen Vorgängen Aussagen zu
treffen und "damit in der Öffentlichkeit für die Rechte und Belange
von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen einzutreten, leben sie nun hier
in der Bundesrepublik, in Europa oder sonstwo in der Welt" (Ordnung des
Verbandes, Abschnitt Verband in der Gesellschaft). Für die
DPSG ist es selbstverständlich, dass alle Menschen guten Willens Mitglied
der Pfadfinderschaft sein können. Dies trifft auch auf homosexuelle
Menschen zu. Deswegen gilt es, ein deutliches Zeichen zu setzen.
Daneben
haben wir schon oft die Erfahrung machen müssen, dass negative Nachrichten
über andere Pfadfinder und auch fiktive Darstellungen (z.B. in Fernsehfilmen)
auf die DPSG übertragen werden. Auch von daher ist es notwendig und
geboten, in der Öffentlichkeit nicht den Eindruck aufkommen zu lassen,
die DPSG verhalte sich ebenso diskriminierend wie die Boy Scouts of America
oder toleriere ein solches Vorgehen durch Schweigen.
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Aus: Die Grundlagen der Pfadfinderbewegung, Georgs-Verlag. |