Vermutlich wird daraus zwar kein Eintrag ins
Guinness-Buch, dennoch hat die DPSG auf ihrer Bundesversammlung im Mai
2005 in Rot an der Rot gleich zwei Rekorde aufgestellt.
Hauptthema
der Versammlung war die Neufassung
unserer
Verbandsordnung. Die Delegierten diskutierten unter
anderem darüber, Diskriminierung auf Grund der sexuellen
Identität zu ächten. Schwule und Lesben sollten ganz
selbstverständlich auch Mitglieder unseres Verbandes sein. Nach
intensiver Beratung beschlossen die Delegierten einstimmig: "Für
uns ist es selbstverständlich, dass niemand aufgrund seiner oder
ihrer sexuellen Identität benachteiligt oder ausgegrenzt wird"
(Ordnung
des Verbandes, S. 16) bzw. in der neuen Version: "Niemand wird
aufgrund seiner oder ihrer sexuellen Identität benachteiligt oder
ausgegrenzt." (Ordnung
der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg, 2006, S. 19).
Damit sind wir - erstens - der weltweit größte Pfadfinderverband, der in seinen Reihen ausdrücklich auch homosexuelle Mitglieder akzeptiert. Außerdem dürften wir - zweitens - mit dieser Akzeptanz auch innerhalb der katholischen Kirche einzigartig sein: Als erster katholischer Jugendverband treten wir nunmehr auch offiziell für die Gleichberechtigung von Schwulen und Lesben ein.
Markus Daschner
Die neue Ordnung zum Download: http://www.dpsg.de/files/grundlagen/DPSG-Ordnung.pdf
"Offizieller" Bericht der 68. Bundesversammlung: www.dpsg.de/mitglieder/bv68/
Sachliche Informationen zum Thema Homosexualität dienten
der Orientierung der Delegierten. Persönliche Gespräche
sollten beim Abbau eventueller Vorurteile helfen. Letzteres lief
allerdings weitgehend ins Leere – der großen Zustimmung wegen,
die
uns entgegengebracht wurde. Nicht nur wir waren von der allgemein
positiven Stimmung uns gegenüber angenehm überrascht. Auch
die
meisten Anwesenden waren von unserem Auftritt angetan, wie uns viele
Rückmeldungen zeigten. Auf jeden Fall konnten wir uns nicht
über einen Mangel an Aufmerksamkeit oder gar Intoleranz
beschweren.
Vielmehr wurden wir ausdrücklich für unser inhaltliches
Engagement gelobt. Die Zeiten, in denen wir "nur" um mehr Bekanntheit
für die AG SchLeHe geworben haben, scheinen vorbei zu sein.
Trotz der allgemeinen Aufbruchstimmung konnten wir doch noch in -
wenigen - Gesichtern Ängste erkennen. Vielleicht waren es die
Ängste vor dem Unbekannten, das wir für manche
verkörperten; vielleicht manchmal Ängste vor verdrängten
eigenen Impulsen; auf jeden Fall Ängste davor, mit uns Kontakt
aufzunehmen. Leider bot unser Aufenthalt nicht genügend Zeit, eine
Vertrauensbasis zur Überwindung dieser Ängste aufzubauen. Was
uns anspornt, auch in Zukunft zu zeigen, daß wir keine dunklen
Dämonen sind, als die uns vielleicht noch manches Vorurteil
erscheinen lassen will. Und uns die Notwendigkeit für anonymere
Feedback-Möglichkeiten verdeutlicht, um auch Kritik von den Leuten
ein Forum zu geben, die sich nicht an unseren Stand herantrauten.
Ein großer Dank auch an Pia & Daniel, unser
Helferpärchen vom "anderen Ufer". Die beiden haben uns
tatkräftig unterstützt, beherbergt, verköstigt und in
vielen Gesprächen eine erfrischend heterosexuelle Perspektive
geliefert. Wir würden uns sehr über mehr Heteros in der
SchLeHe freuen, um nicht Gefahr zu laufen, allzu sehr im eigenen
schwul-lesbischen Saft zu schmoren.
Am Samstag konnten wir uns jedenfalls zufrieden verabschieden. Nach
Hause begleitete uns ein tolles Gefühl - der Glaube an die DPSG
als
einen toleranten und weltoffenen Verband.
Markus Daschner
In der
Resolution (Originalschreiben in englisch)
geben RdP (Ring
deutscher Pfadfinderverbände) und RDP (Ring Deutscher
Pfadfinderinnenverbände) ihrer Sorge darüber Ausdruck,
dass die BSA in ihrer Resolution zu den "traditional values"
(traditionelle Werte) feststellen, dass ein bekennender Homosexueller
nicht als Vorbild für die traditionellen Werte dienen könne,
die sich auf den Pfadfindereid und die Pfadfindergesetze stützen.
RdP und RDP stellen fest, dass sie
die Pfadfinderbewegung sowohl als eine Bewegung verstünden, die
offen für alle sei und niemanden diskriminiere als auch als eine
Bewegung, die sich gegen Diskriminierung außerhalb dieser
Bewegung
einsetze. Diese Auffassung spiegle sich auch in der Verfassung der
Weltpfadfinderbewegung, in der es heiße "Die Pfadfinderbewegung
... ist offen für alle, ohne auf Grund von Herkunft, Rasse oder
Glaube zu diskriminieren". Noch deutlicher gehe dies aus der Resolution
Nummer 5 der Europäischen Pfadfinderkonferenz vom July 2001 in
Prag
zum Thema "Chancengleichheit" hervor: "Homosexualität wird nicht
als Begründung jedweder Diskriminierung inner- oder
außerhalb
der Pfadfinderbewegung betrachtet."
Da die Pfadfinderbewegung
weltweiten Charakter habe, so RdP und RDP, und nationale Resolutionen
auch Einfluss auf Pfadfinder anderswo auf der Welt hätten,
entfalte
die BSA-Resolution zu den "traditional values" einen negativen Einfluss
auf die öffentliche Meinung über Pfadfinder(innen) in
Deutschland.
RdP und RDP erklärten
deshalb, dass kein Mitglied des Weltpfadfinderverbandes gegen
Homosexuelle diskriminieren solle. Zudem drängen sie die nationale
Leitung der BSA ihr diskriminierendes Verhalten zu überdenken.
[siehe auch "Boy
Scouts of America (BSA) schließen Schwule aus"]
In der
der letzten Ausgabe der Stufenzeitschrift 'Rover' (2/2002) gibt der
Bundesarbeitskreis Anstöße und Anregungen zur Umsetzung von
'update' in der Altersstufe der 16- bis 20-Jährigen. Unter dem
Motto "Sind wir noch up to date? Auf der Suche nach uns selbst" werden
99 Fragen quer durch alle Bereiche gestellt. Neben "Bietet die die DPSG
viele Themen, für die es sich lohnt, einzutreten?", "Ist das
Streiten in der Roverrunde konstruktiver als woanders?" und "Gibt es
einen Unterschied zwischen Urlaub und internationaler Begegnung?"
finden
sich auch die Fragen: "Glaubst du, dass Sexualität bei den
Pfadfindern ausgeblendet ist?" und "Kannst du dir vorstellen, dass
Schwule oder Lesben in eurer Runde sind?" Dem Heft ist außerdem
eine CD-ROM mit einem Film (entstanden auf dem 82. Woodbagdekurs der
Roverstufe) beigelegt, der durch seine - teilweise (bis zum
Klischeehaften) überspitzte und auch nicht immer ernst gemeinte -
Darstellung des Roverseins einen guten Einstieg für die
Beschäftigung mit 'update' bietet. Auf der CD-ROM befinden sich
übrigens neben allen anderen Ausgaben des 'Rover' seit 1/93 auch
der berühmte 'Schwule Rover' (4/94) sowie die auf ihn folgenden
Leserbriefe (bis 3/95).
Wie ihr
mitbekommen habt, soll in den nächsten Jahren im Rahmen von
'update' unser Verband auf seine Zukunftsfähigkeit geprüft
werden. Dabei soll auch darauf geachtet werde, wo es Defizite in der
DPSG gibt. Wir von der AG SchLeHe möchten uns in diesen Prozess
einbringen und so stand bei unserem letzten Treffen unter dem Motto
"Scouts do it in a tent!?" die Diskussion um eine Sexualpädagogik
für die DPSG im Mittelpunkt. Warum wir sexualpädagogische
Überlegungen für extrem wichtig halten sowie ausgewählte
Erkenntnisse aus einer "Zukunftswerkstatt" zu diesem Thema findet sich
im Artikel "Scouts do it in a tent!? -
Sexualpädagogik in der DPSG", der auch bereits in einigen
Diözesanzeitschriften erschienen ist.
Darüber
hinaus sind (auf Antrag der Bundesleitung) inzwischen alle DPSGler
aufgefordert, sich Gedanken darüber zu machen, wie die DPSG mit
Homosexualität umgehen soll? auch diese Meinungsbildung wollen wir
in 'update' vorantreiben und einbringen.
Wir
laden euch ein, eure Meinungen, Vorschläge, Bedenken etc.
bezüglich Sexualpädagogik und Homosexualität in der DPSG
zu äußern; lest hier, wie
wir mit euch vorgehen wollen (und wie es dazu kam). [Mehr]

Warum wir sexualpädagogische Überlegungen für extrem wichtig halten sowie ausgewählte Erkenntnisse aus einer "Zukunftswerkstatt" zu diesem Thema findet sich im Artikel "Scouts do it in a tent!? - Sexualpädagogik in der DPSG", der auch bereits in einigen Diözesanzeitschriften erschienen ist. [Mehr]

Die ganze Geschichte ist im Artikel "Kein
Pfadfinder-Ehrenwort für Schwule" vom Juni 2000 nachzulesen.
In
Amerika haben diese Vorgänge zur Gründung der Bewegung "Scouting for all"
(Foto li.) u.a. durch Steven Cozza (Foto re.), einem BSA-Eagle Scout,
geführt.
Unsere
verbandsinterne Veröffentlichung dieses Urteils des Obersten
Gerichts der USA sowie der Aufruf zur Stellungnahme, haben zu einigen Reaktionen geführt.
Im
Nachlauf der Bundesversammlung wurde schließlich im
Hauptausschuss
ein von der Bundesleitung in dieser Sache
gestellte Antrag angenommen.
Zusammenfassung der Links: