
Nachdem wir auf dem WBK der Diözese Freiburg von Christian und Peter aus der SchLeHe (Schwule, Lesben und Heteros in der DPSG) und von Basti von 'Ganz normal anders' (Forum für Schwule und Lesben im BdP) auf grandiose Weise bekocht worden waren, stand für uns fest, dass wir die SchLeHe in Zukunft unterstützen wollten. So entschlossen wir uns zu 'Wärmer Zelten 3' nach Köln zu fahren, um als Heteros den CSD (Christopher Street Day) zu erleben. Zu dritt reisten wir also an und wussten nicht so recht was uns eigentlich erwartete bzw. wie man uns als Heteros aufnehmen würde.
Zunächst ging es, wie in jedem Pfadfinderlager, darum die Zelte aufzubauen, was bis auf wenige Probleme recht gut funktionierte. Während des Zeltaufbauens kamen wir in die Lage uns als Heteros 'outen' zu müssen, was für uns eine sehr ungewöhnliche Situation war. Aber an diesem Wochenende waren wir als Heteros ganz eindeutig in der Minderheit. Anschließend fand eine kurze Vorstellrunde aller LagerteilnehmerInnen statt, die von der SchLeHe, 'Ganz normal anders', 'Forum Frauenliebe in den Bünden', KJGay und vom VCP kamen. Mit gemütlichem Beisammensitzen am Lagerfeuer klang der Abend aus.
Der nächste Morgen begann, wie bei Pfadfindern üblich, mit einer gemeinsamen Morgenrunde und Frühstück. Danach gab es eine SchLeHe interne Besprechung, an der auch wir drei teilnahmen. Bei der Planung des Oktoberwochenendes, dem traditionellen Arbeitstreffen der SchLeHe, kam die Sprache auf die Rolle der Heteros. Dabei stellte sich heraus, dass in letzter Zeit über dieses Thema nicht all zu viel nachgedacht worden war, da schlichtweg nur wenige Heteros vorhanden waren. So diskutierten wir, was die SchLeHe tun könnte, um Interesse bei den Heteros für ihre Arbeit zu wecken. Uns wurde auch klar, dass es für die SchLeHe, auf Grund der losen Organisationsform, wesentlich schwieriger ist, Aktionen durchzuführen und zu finanzieren. Einerseits erhält sie von der Bundesebene keine Mittel, andererseits erschwert die Tatsache, dass die DPSG ein Verband in der katholischen Kirche ist, es der SchLeHe zusätzlich, an Gelder oder andere Unterstützung zu gelangen.
Der Rest des Tages stand zur freien Verfügung. Nach einem ausgedehnten Stadtbummel traf sich ein Teil der Gruppe, in der Antoniter-Kirche in der Innenstadt, um gemeinsam einen ökumenischen Gottesdienst zu besuchen. Dieser wurde von der HuK (Homosexuelle & Kirche) gestaltet, die regelmäßig in dieser Kirche Gottesdienste mitfeiert. Auch dieser Abend endete mit Gesang am Lagerfeuer, während einige andere TeilnehmerInnen das Nachtleben Kölns genossen.
Am nächsten Morgen gestalteten einige ein Transparent für die Parade. Wir bauten noch fix die ersten Zelte ab und dann mussten wir auch schon los Richtung Innenstadt. Wir schwankten zwischen Mitlaufen und Zuschauen und entschieden uns dafür, zuerst zuzuschauen und die Parade auf uns wirken zu lassen. Wir waren erstaunt, dass sowohl politische Parteien als auch große Firmen mit Wägen mitfuhren oder diese sponserten. Als der ungefähr 40 Personen starke Pfadfinder-Fußtrupp an uns vorbeizog, gesellten wir uns dazu und liefen den Rest der Parade im Zug mit. Es war für uns ein komisches Gefühl, vom Straßenrand aus als Homosexuelle betrachtet zu werden.

Dennoch war Köln eine Reise Wert und hat uns allen viele neue Eindrücke beschert und die Gewissheit, dass wir nächstes Jahr wieder dabei sein werden.
Tina, Marion & Daniel
(Bezirk Odenwald-Tauber)